Wie wir den Winter verfluchen. Für seine Kälte und dass er uns bibbern lässt. Für seine Glätte, die uns auf der Straße tanzen lässt, als wären wir nicht von dieser Welt. Für den Zwang, drinnen bleiben zu müssen. Nicht mit kurzen Hosen Nachts durch die Stadt tanzen zu können.
Doch wir lieben ihn auch für die wenigen schönen Eigenschaften, die der Sommer nicht bieten kann. Für die Möglichkeit aus der Kälte in eine warme, huschelige Stube fliehen zu können. Für das wunderbare Gefühl der Wärme, die einen nach einem Winterspaziergang durchströmt, wenn man einen heißen Tee oder einen Glühwein trinkt. Für die Ruhe und Geborgenheit, die selbst in fröhlichen Runden ausgestrahlt wird, weil man auf engem Raum beieinander sitzt und sich Geschichten erzählt und lacht. Für die Momente, in denen man sein Aussehen, seinen Eindruck auf Andere und seine erwachsene Haltung einfach mal über Bord wirft und wieder ganz Kind zu sein scheint. Wir lachen über uns, miteinander. Wir machen den völlig unreifen Spaß mit, unseren Schlitten vom Traktor ziehen zu lassen, lachen und schreien wie die Angestochenen, wenn wir durch scharfe Kurven gezogen werden und fast vom Schlitten fallen.
Es gibt Momente, da verfallen wir einfach in unsere kindlichen Muster zurück, von denen wir glaubten, wir hätten sie verloren. Wir machen Schneeballschlachten, drücken uns gegenseitig die Gesichter in den Schnee. Nachher lassen wir unsere eisigen Füße dann im heißen Wasser baumeln und wärmen uns auf.
Diese kleinen Momente machen den Winter etwas erträglicher, doch wir sind und bleiben Sommer-Kinder und so warten wir sehnsüchtig auf den Sommer. Schokofrüchte essend bis Nachts in den warmen Betten. Wir schauen Filme, die wir schon hundert mal gesehen haben. Wandeln dann auseinander, zu später Stunde. Gehen unsere eigenen Wege nach Hause. Jeder in sein eigenes Bett. Durch die Ruhe der Straßen, die stillen, wunderschönen, dahin schwebenden Schneeflocken, die ganz leicht durch das gelbe Licht der Straßenlaternen fliegen. Und wir können es nicht leugnen. Der Winter, möge er auch oft so kalt und rau und unverschämt sein, ist eine Schönheit für sich. Mit seinen bezaubernden Flocken und den Märchenwäldern.
Der Winter ist leise. In sich gekehrt. Verträumt und beinahe schlafend.
Der Winter ist leise. In sich gekehrt. Verträumt und beinahe schlafend.
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