Dienstag, 11. September 2012

Warten müssen .










Es ist nie besonders angenehm vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden die nichts Gutes für einen bedeuten, ohne vorher etwas davon gemerkt zu haben. Es ist nicht angenehm. Das schmerzliche Gefühl, das man dabei empfindet kommt jedoch sehr oft nicht an gewisse andere schmerzliche Gefühle heran, die man bei anderen Dingen empfindet. Für viele Menschen ist es nicht das allerschlimmste Gefühl, ins kalte Wasser geworfen zu werden oder ganz plötzlich aus dem Nichts den Dolch ins Herz gerammt zu bekommen.
Das tut einfach nur weh. Es schmerzt, es tut weh. Man weint, man blendet alles aus, man ist niedergeschlagen. Aber das Gute ist, man leidet unter einem Beschluss, den man sowieso nicht mehr rückgängig machen kann, und muss sich so mit nichts als seinem eigenen Kummer auseinandersetzen. Einfach leiden ohne groß nachzudenken. Leere fühlen.
Es gibt aber ein noch viel schlimmeres Gefühl. Ein beklemmendes, das immer bei dir ist und dich langsam tötet und doch am Leben lässt. Das Gefühl, zu wissen, dass irgendetwas nicht stimmt. Das Gefühl, auf etwas warten zu müssen. Dieses Gefühl macht dich seelisch fertig und raubt dir deine Kraft, deine Konzentration, ja selbst dein Lächeln. Du kannst deine Gedanken nicht mehr kontrollieren, sie nicht abhalten darüber nachzudenken. "Was wäre wenn? Wie würdest du es ertragen? Was würdest du tun? Wie würdest du es, wenn es so wäre den Menschen beibringen, die es wissen sollten? Wie würden sie reagieren? Würden sie dich verfluchen, dir Druck machen oder würden sie trotz allem bei dir bleiben und dich stützen?"
Du wartest, dass endlich das eintritt, was diese Warterei auflöst und dir zeigt, dass es nur eine Art Fehlalarm war. Du willst, dass es passiert. Du kannst nicht mehr warten, aber du musst! Denn man kann die Zeit nicht vordrehen.
Der Gedanke daran ist wie ein Geist der sich an dich hängt und du merkst, wie die Angst in dir hochsteigt. Alle anderen Probleme werden für diese Zeit nichtig, egal wie groß sie sind. Denn das Geschehen, der Moment auf den du wartest ist für dein eigenes Leben von fundamentaler Wichtigkeit und es würde alles verändern, wenn sich deine Befürchtungen tatsächlich bestätigen würden.
Es ist eine Qual warten zu müssen.
Die Gedanken ziehen dadurch jedes mal einen größeren Kreis. Du stellst dir die Gesichter der Anderen vor. Stellst dir dein eigenes Gesicht vor. Denkst darüber nach, wie du so etwas schaffen solltest. Du weißt zwar, dass bis jetzt noch gar nichts sicher ist, dass das alles nur ein kleiner Fehler im System sein kann und dass die Angst von rein theoretischer Seite überhaupt niemals bestätigt werden kann, dass du eben einfach erstmal abwarten musst. Aber das Warten macht dich verrückt und lässt dich, die blödsinnigsten Theorien annehmen. Blödsinnig nun wieder doch nicht, denn die Möglichkeit besteht.

Das warten auf etwas, was das ganze Leben bis ins hohe Alter verändern würde ist die Hölle auf Erden.

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