Sonntag, 8. September 2013

Gleichgewicht .

(Holidays Part II)

Wenn man ein dreiviertel Jahr lang einen Menschen fast  jeden Tag gesehen hat, mit ihm geplaudert, gelacht hat, dann ist ein Abschied immer schmerzlich. Egal ob es für drei Wochen oder ein Jahr, oder noch viel länger ist.




Beinah nichts kann sich länger die Waage halten. Irgendwer stört immer von neuem das Gleichgewicht, das man mühsam immer wieder aufstellen will. Sandkorn um Sandkorn hab ich aufgeteilt, auf jeder Waagschale gleich viele Körnchen und dann kommt ein Spaziergänger vorbei, oder ein Wind. Alles wird verweht. Oder ein Tropfen wirft das rechte Häufchen auseinander. Vielleicht habe ich darauf gewartet. Vielleicht hab ich es schon die ganze Zeit befürchtet. Du lagst die ganze lange Zeit neben mir auf dem Bett. Springst nun bald schon wieder auf um meinen neu hergerichteten Haufen Sand aufzuwirbeln. Ich hab Angst, es zu sehr zu vermissen deine alten, dunklen Augen zu sehen. Keine Zeit wird bleiben um die Waage wieder zu richten. Schnell bist du zurück, ich weiß es. Und das Korn von Freude, das du auf meine Waage legen wirst, wird mehr wiegen als alle Sorgen und aller Kummer. Und ich weiß, dass deine Waage viel unausgeglichener ist als meine. Also werd ich deine vor Wind, oder vor einem Spaziergänger, oder vor einem Tropfen Salzwasser beschützen. Liebe. Jedes Lächeln. Jede hart erlachte Falte.



Beinahe nichts hält sich länger die Waage. Außer sie ist leer. Aber was bringt einem schon die leere Waage. 

 

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